Digitalisierung des ÖGD: Gesundheitsämter fordern kompatible Anwendungen

 

 

Digitale Werkzeuge, die kompatibel sind mit anderen Anwendungen und auch über den Bereich des Infektionsschutzes hinaus – dies ist eine zentrale Forderung aus den Reihen der Gesundheitsämter in Deutschland. Sie wurde von gut 300 Vertreter:innen der Gesundheitsämter im Rahmen des „Fachforum Digitalisierung im Kontext des Pakts für den ÖGD“ erhoben. Das Forum am 24. März hatte die Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen (AÖGW) organisiert.

In digitalen Teilgruppensitzungen hatten alle Teilnehmende Gelegenheit, im kleineren Kreis zu diskutieren und interaktiv ihre Bedarfe und Bedürfnisse an die voranschreitende Digitalisierung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes festzuhalten. Dabei bearbeiteten sie drei Fragen:

1. Was hemmt die Digitalisierung in den Gesundheitsämtern?
Das größte Hemmnis sind derzeit personelle Hürden in den Gesundheitsämtern und Landesbehörden. So fehlt es vor allem an ausreichend qualifizierten Mitarbeitenden, insbesondere aus den Bereichen IT und Projektmanagement. Dazu kommt die hohe Belastung des vorhandenen Personals durch das pandemische Geschehen. So bliebe kaum Zeit für Digitalisierungsprozesse. Auch die hohe Fluktuation der Mitarbeitenden und die im Vergleich zur „freien Wirtschaft“ niedrige Bezahlung im ÖGD wurden als Problem benannt.

Eine weitere wichtige Aufgabe sei es, endlich eindeutige Schnittstellen und Standards für IT-Anwendungen im ÖGD zu schaffen. Bisher entstehen nach Ansicht vieler Teilenehmender Insellösungen bzw. ein Flickenteppich, bei dem bundeseinheitliche Vorgaben fehlten bzw. unterschiedliche Rechtsgrundlagen der Länder beachtet werden müssten. Eine übergreifende Steuerung und Koordination sei hier nötig.

2.    Wofür benötigen die Gesundheitsämter neue oder bessere, digitale Tools?
Im AÖGW-Fachforum wurde vor allem „mehr Vernetzung“ gefordert. Dies gilt zum Beispiel für den Datenaustausch mit anderen Gesundheitsämtern etwa über digitale Austauschplattformen. Voraussetzung für den digitalen Austausch seien medienbruchfreie Prozesse – nicht nur im Infektionsschutz, sondern auch im Kinder- und Jugendärztlichen Dienst, in der Begutachtung oder der Kommunalhygiene.

Die Benutzerfreundlichkeit (Usability) der eingesetzten IT müsse erhöht werden, auch um die Arbeitseffizienz zu erhöhen. Gewünscht wurden zudem digitale Tools zum Austausch mit den Bürger:innen, was auch vom E-Government-Gesetz gefordert werde.

3. Welche Schulungs- bzw. Ausbildungsbedarfe gibt es?
Der Schulungsbedarf ist aus Sicht der Gesundheitsämter groß. Er beginnt bereits bei IT-Basisschulungen, angefangen beim sicheren Umgang mit Office-Produkten über die Fachverfahrens-Software bis zu Anwendungen rund um den Infektionsschutz wie Demis oder SurvNet.
Darüber hinaus seien Fortbildungen zu grundsätzlichen Aspekten der Digitalisierung nötig, etwa zum Projektmanagement oder agilem Arbeiten. Auch spezielle Ausbildungs-Lehrgänge für IT-Expert:innen im ÖGD wünschten sich die Teilnehmenden das Fachforums.

Die AÖGW wird ein modularisiertes Fortbildungsangebot zu digitalen Kompetenzen in Kürze anbieten. Weitere Themen sind ebenfalls in Vorbereitung.

Insgesamt notierten die Teilnehmenden rund 200 Aspekte und priorisierten diese.

Mehr Infos zum Fachforum: aoegw.de/fachforumd