Blickpunkt

Neues Coronavirus-Modul in Sormas

Mobiles digitales Kontakt-Personen-Management

 

 

 

Aufgrund der Erfahrungen mit der Ebola Epidemie hatte 2016 das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) begonnen, in Zusammenarbeit mit dem Robert Koch-Institut und verschiedenen weiteren Partnern in Afrika und Deutschland ein mobiles und digitales Melde- und Managementsystem zu entwickeln. Es trägt die Bezeichnung Surveillance Outbreak Response Management and Analysis System (SORMAS).

In SORMAS sind über Tablets alle relevanten Akteure entsprechend ihrer Aufgaben miteinander vernetzt; derzeit sind dies 12 verschiedene Nutzergruppen, wie zum Beispiel Laborpersonal, Ärzte, Gesundheitsaufseher, Epidemiologen, Flughafenärzte. Das System ist primär für den Einsatz in Regionen mit schlechter Infrastruktur ausgelegt und kann auch dann betrieben werden, wenn keine Mobilfunkverbindung besteht. Ein wichtiges Element ist die multi-direktionale Synchronisierung. Derzeit werden über SORMAS 43 Krankheiten abgedeckt, 19 davon als Einzelfallmeldung, bei denen die krankheitsspezifischen Maßnahmen als Prozesse gesteuert und dokumentiert werden. SORMAS wird seit Ende 2017 in einer zunehmenden Zahl von Distrikten in Nigeria benutzt und wird seit November 2019 auch in Ghana pilotiert. Derzeit ist SORMAS damit bereits in insgesamt 400 Distrikten in beiden Ländern im Einsatz und deckt eine Bevölkerung von über 85 Millionen Einwohner ab. Dabei konnte SORMAS auch bei der Eindämmung von drei gleichzeitig auftretenden großen Ausbrüchen von Affenpocken, Lassa-Fieber und Meningokokken durch sein integriertes Kontakt-Personen-Management (KPM) erfolgreich unterstützen. Seit Anfang Februar enthält SORMAS auch ein Modul mit den COVID-19-spezifischen Prozessen und Abfragen für Klinik, Diagnostik, Risikofaktoren und KPM. Für Gesundheitsämter in Deutschland bietet das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung nun eine Version für das Kontakt-Personen-Management von COVID-19 unter dem Namen SORMAS-DE-COVID an, das an die Bedürfnisse und strukturellen Voraussetzungen in Deutschland angepasst wird. Auch diese Software ist open source und steht kostenfrei zur Verfügung.

Die wichtigsten funktionellen Eigenschaften von SORMAS für die aktuelle COVID-19 Situation sind:

1. COVID-19-spezifische Prozesse, mit Hinterlegung einschlägiger Falldefinitionen und Datenfelder
2. Umfassende Abläufe für die Identifizierung und Validierung von Kontaktpersonen
3. Prospektive Steuerung der gesundheitlichen Überwachung von Kontaktpersonen
4. Auf Tablets mobil und offline nutzbar in Echtzeit-Synchronisierung mit dem Gesundheitsamt
5. Das System kann für jedes Gesundheitsamt spezifisch installiert werden
6. SORMAS ist open source und die Nutzung geht nicht mit Lizenzgebühren einher
7. SORMAS wurde extern auf Datensicherheit auditiert8. Eine deutschsprachige Nutzeroberfläche
    ist nahezu komplett fertiggestellt.

Gesundheitsämter, die Interesse haben, SORMAS-DE-COVID für ihr KPM einzusetzen, können sich wenden an:
Prof. Gérard Krause, Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung
Tel. 0531 618-3100, sormas-covid@helmholtz-hzi.de

Prof. Dr. med. Gérard Krause
Leiter der Abteilung Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, Braunschweig

Die Akademie für Öffentliches Geusndheitswesen kooperiert mit dem HZI, um die Gesundheitsämter bei der Einführung von SORMAS zu unterstützen.
Bei Interesse wenden Sie sich bitte an:

Prof*in Dr. Dagmar Starke, 0211 31096-33, starke@akademie-oegw.de

oder Laura Arnold, 0211 31096-44, arnold@akademie-oegw.de