Blickpunkt

Freitag, 01.06.2018

One Health

Vernetzung vorhandener Daten

Um Erkrankungen durch Zoonosen im „One Health“-Kontext besser erkennen, bestätigen und begegnen zu können ist eine Vernetzung vorhandener Daten aus Gesundheitsämtern und Veterinärämtern erforderlich.

 





Infektionskrankheiten sind für die Gesundheit von Mensch und Tier von großer Bedeutung. Viele Erreger, die bei Menschen Infektionen verursachen, sind Zoonosen - können also zwischen Menschen und Tieren übertragen werden. Sie spielen vor allem bei neu oder unerwartet auftretenden Infektionskrankheiten eine wichtige Rolle, so dass die Art, wie wir mit Tieren und Umwelt interagieren, berücksichtigt werden sollte.

Aus diesem Grund sind Strategien zur Überwachung und Kontrolle von Zoonosen von besonderer Bedeutung für Gesundheits- und Veterinärämter.

Durch Spezialisierung der Human- und Tiermedizin kam es in der Vergangenheit zu einer weitgehenden Trennung der Disziplinen, mit getrennten Überwachungs-, Kontroll- und Bekämpfungsmaßnahmen sowie getrennter Gesetzgebung. Daher kann, obwohl viele Faktoren der Übertragung von Erregern oder Ursachen von Krankheiten bekannt sind, aufgrund der Komplexität des zoonotischer Infektionsgeschehens Krankheitsausbrüchen oft nicht optimal begegnet werden.

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts mehren sich deshalb Initiativen, die fordern, die strikte Trennung zwischen der Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt aufzuheben und speziesübergreifende Ansätze zu fördern, die unterschiedliche Populationen gemeinsam betrachten und Probleme sektoren- und disziplinübergreifend zu lösen. Solche Initiativen sammeln sich unter der Bezeichnung One Health.

Mit einem besseren Informationsaustausch, z. B. durch eine gemeinsame systematische Erfassung von Daten, deren Bewertung und das Einleiten von Interventionsmaßnahmen, könnte eine Verbesserung der Gesundheit für Mensch, Tier und Umwelt erreicht und den komplexen Problemen der Zoonosen begegnet werden.

In Deutschland existiert bereits eine Vielzahl von Routinedatensammlungen. Diese Daten werden in unterschiedlichen Datenbanken gesammelt – je nach Herkunft und Bestimmungszweck. Gemeinsam, also sektorenübergreifend, werden sie bisher nur selten betrachtet.

Soll in Zukunft eine Integration von Surveillancedaten von Mensch und Tier ermöglicht werden, ist der erste Schritt, ein Bewusstsein für die Voraussetzungen und Herausforderungen zu schaffen, die One Health Surveillance, aber auch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit, mit sich bringen. Um die benötigte engere Zusammenarbeit in der Zoonoseüberwachung zu fördern, sollten vorhandene Kommunikationsstrukturen ausgebaut und erweitert werden, so dass die jeweiligen Ansprechpartner bekannt sind, regelmäßig Informationen zwischen den Beteiligten ausgetauscht und vorhandene Möglichkeiten einer sektorenübergreifenden Surveillance gemeinsam erarbeitet werden können.



Prof. Dr. rer. nat. Lothar Kreienbrock
Institut für Biometrie, Epidemiologie und Informationsverarbeitung
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

 

 
 Vorheriger Artikel