Blickpunkt

Ute Bertram

Präsidentin mit Leidenschaft für Gesundheit - Blickpunkt 4/2017

Im April 2017 wurde Ute Bertram zur neuen Präsidentin der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. (BVPG) gewählt.

 

 

In ihrer Karriere als Politikerin hat sie an wichtigen Meilensteinen des Präventionsgesetzes mitgearbeitet. Wir stellen Ihnen Ute Bertram vor, welche klaren Vorstellungen sie für ihre zukünftige Aufgabe hat und wie sie diese mit der BVPG umsetzen möchte.

In den Gängen zwischen den Büros im Bundestag herrscht friedliche Unruhe. In der Zeit, wenn die alte Regierung abgewählt, aber die neue Regierung noch nicht im Amt ist, sortieren sich Abgeordnete und Mitarbeitenden. Ute Bertram hat nur knapp ihren Wiedereinzug für die CDU in den Bundestag verfehlt. In ihrem Bundestagsbüro erklärt der IT-Techniker gerade, wie sie wichtige Dateien sichern und mitnehmen kann. Ihre Mitarbeiterinnen sehen mit einem wehmütigen Blick in die Zukunft, aber Ute Bertram strahlt Wehmut und zugleich Aufbruch aus.

WER IST DIE NEUE VORSITZENDE DER BVPG?
Die Karriere der 56-jährigen Bankfachwirtin  aus dem ländlich geprägten Alfeld in Niedersachen ist von Leidenschaft für Gesundheit bestimmt. Zunächst stand für Ute Bertram die Familie im  Vordergrund. Als gelernte Bankerin hat sie aber auch gleichzeitig Finanzen und Steuern der Facharztpraxis ihres Mannes gemanagt. Bereits hier wurde Ute Bertram mit den Herausforderungen der (fach-)ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum konfrontiert. Im Gespräch spürt man förmlich, wie ihr Einsatz für Problemlösungen sie in die kommunale Politik in Niedersachsen führte. Im Hildesheimer Kreistag war sie von 2011 bis 2016 gesundheitspolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Besonders die hausärztliche Versorgung im ländlichen Raum stand für sie im Mittelpunkt.

Als sie 2013 das Bundestagsmandat für ihren Wahlkreis Hildesheim erringt, war klar, dass sie im Ausschuss für Gesundheit mitarbeiten wollte. Ihre Berichterstattung hier beinhaltete die neue Entgeldverordnung für psychiatrische und psychosomatische Krankenhäuser, die Weiterentwicklung der Ausbildung von psychologischen Psychotherapeuten und die Verbesserung der Psychotherapie in der Versorgung von Patienten. Die Entwicklung der Entgeltverordnung für Psychiatrische Krankenhäuser war die Feuertaufe für sie als Politikerin. Wichtig war ihr bei der Schaffung des Gesetzes, dass eine bessere Transparenz in der Vergütung der Kliniken gegenüber den Leistungserbringern sichtbar wird. Die Vergütung sollte leistungsgerecht erfolgen, bei hoher Qualität in der Versorgung. Ute Bertram fasst es so zusammen: „Ich habe mich immer gefragt, ist jeder, der psychiatrisch erkrankt ist, auch wirklich gut versorgt?“

MEILENSTEIN PRÄVENTIONSGESETZ
Der andere wichtige Meilenstein in ihrer Karriere als Politikerin war das lange erwartete und in der letzten Legislaturperiode verabschiedete Präventionsgesetz. Für Ute Bertram ist das vorliegende Gesetz vor allem „eine Bündelung von Maßnahmen, wie Prävention laufen könnte, und zwar in allen Lebenswelten, von der Krippe, über Schule, Arbeitsplatz bis hin zur Rente und darüber hinaus in Pflegeeinrichtungen“. Sie fasst ihre Erwartung an das Gesetz klar zusammen: „Krankenkassen müssen Gelder für Prävention für ihre Versicherten zur Verfügung stellen und haben auch das Recht darauf, zu erfahren, wie erfolgreich diese eingesetzt wurden und welche Effekte erzielt worden sind.“ Mit dem Präventionsgesetz wurde die Nationale Präventionskonferenz (NPK) eingeführt, die eine nationale Präventionsstrategie entwickeln und fortschreiben soll. Dies umfasst die Vereinbarung von bundeseinheitlichen, trägerüberübergreifenden Rahmenempfehlungen, in denen Ziele, Handlungsfelder, Zielgruppen, zu beteiligende Akteure sowie Dokumentations- und Berichtspflichten festgelegt sind.

Das Präventionsforum, das die NPK beraten soll, setzt sich aus Vertretern der für die Gesundheitsförderung und Prävention Organisationen und Verbände sowie Mitgliedern der NPK zusammen. Es soll die sachlich-inhaltliche Rückkopplung der NPK mit der Fachöffentlichkeit ermöglichen. Die NPK beauftragt qua gesetzlichen Auftrag die Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. mit der Durchführung des Präventionsforums. Im Jahr 2017 stand dieses unter dem Thema „Gesundheitsförderung und Prävention in der Kommune“.

DIE ARBEIT DER BVPG AUS SICHT IHRER PRÄSIDENTIN
Ute Bertram wurde im April 2017 zur neuen Präsidentin der BVPG gewählt. Die 1954 gegründete BVPG ist ein gemeinnütziger und unabhängiger Verband mit zurzeit 133 Mitgliedsorganisationen (z.B. Bundesärztekammer, Spitzenverbände der Krankenkassen, Wohlfahrtsverbände, Bildungseinrichtungen) und sieht sich als eine moderne „Brückeninstanz zwischen Mitgliedern und Kooperationspartnern in Forschung, Wirtschaft, Politik und Praxis“. Ziel ist die Verankerung und Stärkung von Prävention und Gesundheitsförderung nicht nur im Gesundheitswesen, sondern in allen Politik- und Lebensbereichen. Die Arbeitsweise der BVPG sieht Ute Bertram pragmatisch und betont, dass der Bundesverband immer wissenschafts- und konzeptgeleitet vorgeht. Dabei wird mit Bestandsaufnahmen und Erfahrungsaustausch Transparenz geschaffen und Synergien entwickelt, um Projekte durchzuführen und – ganz wichtig – Qualität zu sichern. Als BVPG Präsidentin will Ute Bertram ihren Fokus auf die Prävention der „klassischen“ Volkskrankheiten setzen, den sogenannten nicht-übertragbaren Krankheiten.

Daneben steht ebenso die kommunale Gesundheitsförderung – und damit auch der Öffentliche Gesundheitsdienst – im Blick. Auch die Auseinandersetzung mit ethischen Fragen der Prävention und Gesundheitsförderung soll 2018 eine Rolle spielen. Für sie liegt es auf der Hand, dass Prävention nur gemeinsam mit allen Akteuren auf unterschiedlichen Ebenen umsetzbar ist. „Prävention bedeutet aber nicht, den Menschen vorzuschreiben, wie sie leben sollen“, so Ute Bertram. Doch mit Blick auf die zunehmende Alterung der Gesellschaft und die ansteigenden Kosten im Gesundheitswesen muss klar sein, dass jeder auch in der solidarischen Verantwortung einen persönlichen Beitrag leisten muss. Das gilt beim Rauchen, beim Alkohol und auch bei der Ernährung. Ihre Schlussfolgerung: „Wenn wir feststellen, dass krankheitsassoziierte Kosten bei den nichtübertragbaren Krankheiten immer größer werden, dann müssen wir uns als Gesellschaft Gedanken machen.“ Ziel ist die Entwicklung eines Gesundheitssystems, das dem Stand der Wissenschaft Rechnung trägt und für jeden – unabhängig von sozialer Herkunft – bezahlbar ist. Mit der neuen Präsidentin wird die BVPG dazu ihren Beitrag leisten.


Peter Tinnemann