Wie lassen sich Alten- und Pflegeheime vor COVID-19 schützen? Erkenntnisse aus einer aktuellen Übersichtsarbeit

 

Bewohner:innen von stationären Alten- und Pflegeeinrichtungen sind durch COVID-19 besonders gefährdet. Obwohl sie weniger als ein Prozent der Bevölkerung ausmachen, lag ihr Anteil in zahlreichen Ländern bei 30 bis 50 Prozent der Todesfälle durch COVID-19. Trotz hoher Impfraten kommt es in Deutschland weiter zu Ausbrüchen und Todesfällen in stationären Alten- und Pflegeeinrichtungen. Welche Maßnahmen können helfen, das zu verhindern?

Um Bewohner:innen, Angehörige und Pflegepersonal zu schützen, wurden in der Vergangenheit eine Reihe unterschiedlicher Schutzmaßnahmen getroffen: von Beschränkungen der Besuchsmöglichkeiten, dem Aussetzen zahlreicher Gemeinschaftsaktivitäten bis hin zur strikten Isolierung von der Außenwelt. Diese Maßnahmen haben zum Teil erhebliche Auswirkungen auf die seelische und körperliche Gesundheit der Bewohner:innen.

Welche Schutzmaßnahmen sind sinnvoll?
Mit Blick auf die kommenden Monate ist es wichtig zu wissen, ob und welche Maßnahmen Ausbrüche in stationären Alten- und Pflegeinrichtungen effektiv verhindern können. Ein aktueller Cochrane Review, an dessen Erarbeitung die Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen (AÖGW) beteiligt war, ist dieser Frage nachgegangen. Aufgrund der schlechten Studienlage ließ sich nur wenig stichhaltige Evidenz zusammentragen. Immerhin fand das Autor:innen-Team Hinweise dafür, dass einzelne Schutzmaßnahmen dabei helfen können, SARS-CoV-2 Infektionen und deren negative Konsequenzen in Einrichtungen zu verringern. Das gilt vor allem für regelmäßiges Testen, um Ausbrüche möglichst früh zu identifizieren. Darüber hinaus fanden sich Hinweise dafür, dass die Kombination verschiedener Schutzmaßnahmen dazu beitragen kann, Infektionen und Todesfälle zu reduzieren.

Bessere Forschung nötig
Für eine Reihe weiterer Maßnahmen ist die Studienlage weit weniger eindeutig: So lassen Maßnahmen wie Besuchsbeschränkungen, der Bildung separater Gruppen oder Quarantänemaßnamen zwar einen positiven Mehrwert erahnen, einer kritischen Qualitätsprüfung halten die Ergebnisse jedoch nicht stand. „Wir brauchen dringend mehr und bessere Forschung“ sagt Laura Arnold, Referentin für Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung an der AÖGW und Co-Autorin des Reviews. „Zu den negativen gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen von Schutzmaßnahmen in Pflegeeinrichtungen mit vergleichsweise hohen Impfquoten wissen wir noch viel zu wenig. Dieses Forschungsdefizit müssen wir dringend überwinden, damit Nutzen und Belastungen von Maßnahmen auch in den kommenden Monaten in einem angemessenen Verhältnis bleiben“, so Arnold.

„Wir müssen aber auch darüber nachdenken, warum trotz der hohen Anzahl von Todesfällen unter Bewohner:innen und Pflegepersonal dieser Einrichtungen so wenig aussagekräftige Forschung erfolgt ist“, ergänzt Dr. Jan Stratil, Arzt und Epidemiologie, der als einer der Hauptautoren den Cochrane Review koordiniert hat. „Wenn wir die Gründe hierfür verstehen, kann uns das helfen, in dieser und in zukünftigen Pandemien unsere begrenzten Mittel gezielter und wirksamer einzusetzen, um Menschenleben zu retten.“

Zum Review Non‐pharmacological measures implemented in the setting of long‐term care facilities to prevent SARS‐CoV‐2 infections and their consequences: a rapid review

Hinweis: Dieser Cochrane Review basiert auf Ergebnissen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung über das Netzwerk Universitätsmedizin geförderten Forschungsprojekts CEOsys (das COVID-19-Evidenzökosystem)