Die Bedeutung von Gesundheitsförderung in Zeiten von Corona

Interview mit Dr. Ute Teichert

Dr. Ute Teichert, Leiterin der Akademie, sprach mit Dr. Beate Grossmann und Ulrike Meyer-Funke von der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. (BVPG e.V.) darüber, welchen Beitrag Gesundheitsförderung leisten kann, um wirksam mit der COVID-19-Pandemie umzugehen.

Das Interview ist im Blog der BVPG e.V. erschienen.

Gesundheitsförderung neu denken
Darin empfiehlt Teichert: Die Gesundheitsförderung muss sich auf die veränderten Bedingungen einstellen und hierbei zu neuen Konzepten kommen, die digitale Angebotsformen mitberücksichtigen. „Neben Beratungsangeboten sind auch Online-Schulungen zum Selbstmanagement in der Krise, zur gesundheitsförderlichen Gestaltung des Home-Office etc. mit zu berücksichtigen.“
Einen Beitrag könne die Gesundheitsförderung bei der Stärkung der Gesundheitskompetenz leisten. Die Bevölkerung sei in hohem Maße verunsichert – auch durch sogenannte Fake News. Gegen die Verunsicherung könne die BZgA einen Beitrag leisten: „Indem sie allgemeinverständliche und Informationen in leichter Sprache zu COVID-19 und zum Sars-CoV-2 bereitstellt.“

Familien im Blick
Wichtig sei auch der Fokus auf Familien und deren Lebensalltag. Durch den Wegfall der Betreuung der Kinder in Kindertagestätten und Schulen, konzentriert sich das Zusammenleben im Setting Familie, in der ad hoc viele verschiedene Anforderungen erfüllt werden müssten. „Hier könnte die Gesundheitsförderung ansetzen, um Familien in der Krise zu stärken.“

Prävalenz und die Beeinflussbarkeit von nichtübertragbaren Krankheiten
Mit verhaltensbezogenen Präventionsangeboten werde seit Jahrzehnten versucht, Menschen zu einem anderen Lebensstil zu bewegen, erklärt Ute Teichert. Tatsächlich sei es aber so, dass auch hier die sozialen Bedingungen, unter denen Menschen leben, wohnen und arbeiten, einen bedeutenden Anteil daran haben. Es sei bekannt, dass Risikoverhaltensweisen am Ende eines Pfades liegen. Alleine deren Veränderung führe nicht zu einer nachhaltigen Verbesserung der gesundheitlichen Chancen.

Der Health in All Policies-Ansatz
Akteurinnen und Akteure der Gesundheitsförderung haben in einer Pandemie Berührungspunkte mit der Infektionsepidemiologie, die sich wiederum mit den Auswirkungen sozialer Determinanten auf Gesundheit und Krankheit auseinandersetzen muss. Gesundheit müsse in allen Politikbereichen eine Rolle spielen, so Teichert. Der Health in All Policies- Ansatz impliziere die Verankerung bzw. Berücksichtigung gesundheitlicher Belange in allen Politikbereichen.

Gesundheitskompetenz jetzt stärken
Ein weiteres Thema des Blog-Interviews: Mögliche Auswirkungen des Zweiten Pandemiegesetzes auf die Gesundheitsförderungs- und Präventions-„Landschaft“. Gesundheitsförderung und Prävention seien als Aufgabenbereiche des ÖGD in den letzten Wochen völlig aus dem Blickfeld gerutscht. Teichert: „Das bedauere ich sehr. Gerade während der Pandemie wäre es unheimlich wichtig, das Hygieneverhalten und die Gesundheitskompetenz aller zu stärken.“ Dafür sei es dringend erforderlich, dass die personelle Stärkung durch Fachkräfte im ÖGD dauerhaft umgesetzt wird und nicht nur auf die Zeit der Pandemie beschränkt bleibt. „Nur Hilfskräfte in der Pandemie in die Gesundheitsämter zu schicken, reicht nicht aus.“

Das vollständige Interview finden Sie unter:
www.bvpgblog.de/blog/