Die Stunde(n) des ÖGD

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie tragen die Beschäftigten der Gesundheitsämter ganz entscheidend dazu bei, das Infektionsgeschehen in Deutschland unter Kontrolle zu halten.

 

 

 


Dr. med. Ute Teichert, Leiterin der Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf, setzt sich daher bei der Politik mit Nachdruck dafür ein, dass die vom Bund zur Verfügung gestellten 4 Milliarden Euro zukünftig für die notwendigen Reformprozesse, die erhebliche Aufstockung des Personals und eine Verbesserung der Digitalisierung und Vernetzung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes verwendet werden.

Der „health innovation hubs“ (hih) des Bundesministeriums für Gesundheit hat Dr. Ute Teichert in einem Interview dazu befragt:

Frau Dr. Teichert, Sie blicken auf ein anstrengendes halbes Jahr zurück – welches waren die größten Überraschungen für Sie in den vergangenen Monaten?

Ich bin jetzt seit über 20 Jahren im Öffentlichen Gesundheitsdienst tätig und hätte es mir nie träumen lassen, dass der Öffentliche Gesundheitsdienst mal so in die Öffentlichkeit kommt. Tatsächlich habe ich im Moment das Gefühl an einer historischen Entwicklung teilzunehmen. Es ist eine große Chance, jetzt die längst notwendigen Veränderungen und Reformprozesse für den Öffentlichen Gesundheitsdienst einzuleiten.

Die Digitalisierung des ÖGD ist derzeit in aller Munde – an welchen Stellen hätten durch digitale Strukturen die Arbeitsergebnisse verbessert werden können?

Der Systemfehler in der Digitalisierung hier, ist die fehlende Interoperabilität und die damit einhergehende Schnittstellenproblematik. Man hätte durch einen flächendeckenden Einsatz des Programms SORMAS sicher frühzeitig wichtige Informationen zur Kontaktpersonennachverfolgung besser dokumentieren können. Einige Ämter haben spezielle eigene Lösungen entwickelt, das ist sehr positiv. Das Problem ist nur, dass man die Daten, die dort gesammelt worden nur mit einem sehr hohen Aufwand zusammenführen kann. Wenn wir frühzeitig vernetzt gewesen wären, hätte man alle diese Sachen schneller angehen können. Gerade auch die Frage der Einbindung der Labortestergebnisse hätte auf digitalem Weg deutlich besser erfolgen können.

Im Zukunftspakt werden 4 Mrd. € für den ÖGD anvisiert. An welchen Stellen sehen Sie den größten Bedarf, und wie können möglichst schnell Lösungen in die Realität gelangen?

Der Pakt ist ein erster wichtiger Schritt und ein deutliches Signal der Politik, den ÖGD zu unterstützen. Es wird jetzt vor allen Dingen darauf ankommen, dass das Geld auch in der Praxis ankommt. Adressiert ist vor allen Dingen die personelle Stellensituation mit insgesamt 5.000 neuen Stellen, aber auch die Themen „Attraktivität der Bezahlung“ und „Digitalisierung“ sind im Pakt mit enthalten. Genauso wie eine engere Anbindung an die Wissenschaft und einen höheren Stellenwert des ÖGD im Studium. Aus meiner Sicht müssen wir jetzt konsequent darauf achten, dass dies auch wirklich umgesetzt wird.


Das vollständige Interview lesen Sie hier:
hih-2025.de/die-stunden-des-oegd/