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Tagungsbericht: Hafentage 2026 in Sassnitz

Vom 16. bis 18. September war unsere Referentin für Infektionsschutz und Hygiene Dr. Sybille Somogyi mit der AÖGW-Fortbildungsveranstaltung „Hafentage 2026“ in Sassnitz vertreten. In diesem Jahr nahmen mehr als 50 Teilnehmer:innen und Referent:innen aus 16 Kommunen und sieben Bundesländern teil – überwiegend Fachkräfte und Verantwortliche aus dem Öffentlichen Gesundheitsdienst, den Hafenärztlichen Diensten, der Schifffahrtsmedizin, sowie weiteren mit dem maritimen Gesundheitswesen befassten Institutionen.

Gruppenfoto von den Hafentagen 2026
Mehr als 50 Teilnehmer:innen und Referent:innen waren bei den Hafentagen in Sassnitz Sybille Somogyi | AÖGW

Ziel der zweieinhalb-tägigen Veranstaltung war es, aktuelle fachliche Entwicklungen im Aufgabenbereich des Infektions- und Gesundheitsschutzes in Häfen und auf Schiffen vorzustellen, praktische Erfahrungen auszutauschen und die Zusammenarbeit der verschiedenen im maritimen Gesundheitswesen tätigen Akteur:innen weiter zu stärken. 

Zu Beginn der Veranstaltung erhielten die Teilnehmenden einen Einblick in die Arbeit des Hafenärztlichen Dienstes des Landkreises Vorpommern-Rügen. Ergänzend wurden aktuelle Impulse aus der Arbeitsgruppe Schifffahrtsmedizin sowie das Hafeninformationssystem HIS-Nord Hafenärztlicher Dienst vorgestellt. Diese Beiträge boten eine gute Grundlage für den weiteren fachlichen Austausch über aktuelle Entwicklungen und die praktische Organisation der Aufgabenwahrnehmung.

Ein Schwerpunkt der Tagung lag auf dem Infektionsschutz im internationalen Schiffsverkehr. Der eindrucksvolle Fallbericht zu Tuberkulose auf einem Kreuzfahrtschiff zeigte anschaulich die besonderen Herausforderungen, die beim Auftreten von Infektionskrankheiten an Bord und im Hafen entstehen können. Ergänzt wurde dieser Praxisbezug durch Beiträge zu Public Health an Bord sowie zu den Ergebnissen des Projekts Gesunde Häfen – Gemeinsam Stark (GESA), das sich mit dem Wissenstransfer im Infektionsschutz an deutschen Häfen beschäftigt.

Von besonderem Interesse war auch die Vorstellung der Auswertung der Seegesundheitserklärungen zu Infektionsausbrüchen auf Kreuzfahrtschiffen im Hamburger Hafen für den Zeitraum 2014 bis 2024. Der Beitrag machte die Bedeutung strukturierter gesundheitlicher Informationen für die frühzeitige Erkennung und Bewertung von Infektionsereignissen deutlich.

Maritime Infrastruktur und Bevölkerungsschutz

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Darstellung der Schnittstellen zwischen dem Hafenärztlichen Dienst, der maritimen Infrastruktur und dem Bevölkerungsschutz. Vorgestellt wurden unter anderem die Überwachungsaufgaben bei Offshore-Anlagen in der ausschließlichen Wirtschaftszone der Nordsee, das Notfallkonzept des Stadthafens Sassnitz sowie die Aufgaben des Havariekommandos.

Zudem wurde anhand der interessanten Historie, der vielfältigen Aufgaben und der aktuellen Projekte des Arbeitskreises Küstenländer (AkKÜ) die zentrale Bedeutung des Gremiums für die Entwicklung und Sicherstellung einheitlicher Gesundheits- und Hygienestandards in der Kauffahrteischifffahrt deutlich hervorgehoben. Neben den fachlichen Inhalten gab ein Beitrag der Deutschen Seemannsmission in Sassnitz einen eindrücklichen Einblick in die ehrenamtlich betreuten Angebote des „Seemannsklubs Rügen“ – eine echte Oase für Seeleute aus aller Welt während ihres Landgangs.

Die Exkursion mit dem Fahrgastschiff MS Alexander entlang der Kreidefelsen bot darüber hinaus die Möglichkeit, die fachlichen Inhalte mit der regionalen maritimen Infrastruktur zu verbinden. Der begleitende Vortrag zum Bevölkerungsschutz im Landkreis Vorpommern-Rügen und zum Krisenmanagement im Störfallbetrieb (LNG) stellte dabei einen gelungenen Praxisbezug her.

Hygiene, internationales Gesundheitsrecht und Prävention

Am dritten Veranstaltungstag standen insbesondere hygienische und präventive Fragestellungen sowie internationale Regelungen im Mittelpunkt. Die Ausführungen zur Trinkwasserverordnung und deren Auswirkungen auf Kontrollen auf Schiffen verdeutlichten die Bedeutung einer konsequenten Überwachung der Trinkwasserhygiene im Schiffsverkehr.

Mit den Internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV) wurde anschließend der internationale rechtliche und fachliche Rahmen für die gesundheitliche Überwachung des grenzüberschreitenden Verkehrs aufgegriffen. Der Beitrag zur sexuellen Gesundheit von Seeleuten erweiterte die Perspektive um einen wichtigen Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention.

Die erkenntnis- und erlebnisreiche Fortbildung ging zu Ende, indem der Staffelstab für die kommende Planung der Veranstaltung in den Ring geworfen wurde – natürlich mit großer Vorfreude auf die Hafentage 2027.

„Aus meiner Sicht hat die Tagung deutlich gemacht, wie vielfältig und anspruchsvoll die Aufgaben des Hafenärztlichen Dienstes und der Schifffahrtsmedizin sind“, sagt Sybille Somogyi. „Die Themen reichen weit über die klassische Infektionskontrolle hinaus und umfassen unter anderem Hygiene, internationale Gesundheitsvorschriften, Digitalisierung, Offshore-Anlagen, Krisenmanagement, Bevölkerungsschutz und Prävention. Besonders wertvoll war für mich der unmittelbare Austausch zwischen den verschiedenen Fachdisziplinen und Institutionen. Die zahlreichen Praxisbeispiele und die Möglichkeit, Erfahrungen aus unterschiedlichen Häfen und Tätigkeitsbereichen miteinander zu teilen, haben wesentlich zum Erfolg der Veranstaltung beigetragen.“

Die Tagung in Sassnitz zeigte, dass ein kontinuierlicher fachlicher Austausch und eine enge Vernetzung der beteiligten Stellen entscheidend dafür sind, dass der Hafenärztliche Dienst seine Aufgaben im Infektions- und Gesundheitsschutz wirkungsvoll wahrnehmen kann.

Die Veranstaltung wurde als Kooperationsprojekt des Fachdienstes Gesundheit des Landkreises Vorpommern-Rügen und der AÖGW durchgeführt.