Offene Fragen zur digitalen Zukunft des ÖGD
Im Rahmen der Berliner Messe Smart Country Convention (Sccon) diskutierten Expert:innen die Frage, wie die Digitale Transformation des ÖGD nachhaltig gesichert und weiter vorangebracht werden kann.

Ende 2026 läuft der insgesamt vier Milliarden schwere Pakt für den ÖGD aus – wie geht es dann weiter mit der Digitalen Transformation des ÖGD? Mit diesem Thema beschäftigte sich eine Paneldiskussion im Rahmen der Sccon. Die Teilnehmenden des „Deep Dive“ zur Digitalisierung des ÖGD blickten dabei auch auf bisherige Meilensteine.
Thomas Süptitz, Leiter des Referats für Cybersicherheit und Interoperabilität im Bundesgesundheitsministerium (BMG), hob beispielsweise die Implementierung des digitalen Reifegradmodells hervor. Daran gemessen hätten sich „alle Gesundheitsämter deutlich nach oben entwickelt“, so Süptitz, und dieser positive Trend halte an. „Gesundheitsämter sind die Lokomotive für die Digitalisierung von Verwaltung“, gab sich auch Frank Naundorf, Leiter des Teams Digitales und Kommunikation in der Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen (AÖGW), überzeugt. Diese Erfolge müssten in der Öffentlichkeit indes noch stärker sichtbar gemacht werden.
Clara Lankes vom Hessischen Gesundheitsministerium merkte an, dass die Relevanz von Digitalisierung inzwischen im Mindset der ÖGD-Mitarbeitenden etabliert sei: „Digitalisierung bedeutet Effizienzsteigerung“. Anke May, Gesundheitsamt Hagen, und Sabine Hermann, Vertreterin der Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege, verwiesen auf die durch den Personalaufwuchs breit gefächerte Expertise in den Ämtern, Behörden und übergeordneten Gremien. „Die Kommunikation zwischen Bund und Ländern beim Thema digitale Transformation des ÖGD hat sich sehr deutlich verbessert“, so Hermann.
Anschubfinanzierung oder Dauerauftrag, lautete dann die Gretchenfrage. Denn noch ist nicht klar, wie es nach dem Ende der Paktlaufzeit ab 2027 mit der Finanzierung der vielfältigen digitalen Fachanwendungen und neu entwickelten Formate weitergeht. Jetzt gehe es darum, ihre Nutzbarkeit nachhaltig zu sichern und die Digitalisierung des ÖGD weiter voranzutreiben, waren sich die Panelteilnehmer:innen einig. Die Frage, wie das konkret gehen könnte, blieb indes offen. Thomas Süptitz schlug vor, dass die Länder überlegen sollten, ob sie Mittel aus dem Sondervermögen für Infrastruktur einsetzen könnten, um die Digitalisierung des ÖGD weiter zu fördern.
„Wir müssen Smart City mit Gesundheit verbinden“, sagte Anke May, passend zum Rahmen der Smart Country Convention. Krisenfestigkeit und IT-Sicherheit stünden dabei an oberster Stelle, fügte Sabine Hermann an, und der ÖGD müsse seine „Vorreiterrolle“ bei der Digitalisierung der Verwaltung weiterspielen, so Thomas Süptitz. Anke May und Frank Naundorf plädierten zudem dafür, auch die Erwartungen und Bedürfnisse der Bürger:innen weiterhin im Fokus zu haben.
Wie gelingt es also, die Zukunft des ÖGD „resilient, vernetzt und digital“ zu gestalten, so eine der Fragen von Moderatorin Nicole Richardt, Geschäftsstellenleiterin von ISIÖGD (Interoperable Schnittstellen im Öffentlichen Gesundheitswesen). Daran schlossen sich in der Diskussion viele weitere Fragen an: Welche Governancestrukturen sind dafür notwendig, welche Steuerungselemente braucht es und welche Projekte gilt es wie zu verstetigen - um nur einige Beispiele zu nennen. „Wir brauchen außerdem ein aktives Netzwerk, um nicht wieder in kommunale Strukturen zurückzufallen“, sagte Anke May vom Hagener Gesundheitsamt. Dabei spielten die Formate der AÖGW ihrer Ansicht nach eine extrem wichtige Rolle. Auch Thomas Süptitz hob die Relevanz des AÖGW-Portfolios hervor und bezeichnete das Projektbüro Digitale Tools (PDT) beispielsweise als „Leuchtturm“ in der Landschaft der digitalen Fachanwendungen.
Das gesamte Programm der Smart Country Convention Berlin, die noch bis einschließlich 2. Oktober läuft, ist auf der Website der Messe abrufbar.

