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ÖGD@TI: Offene Sprechstunde zur Rolle der TI in der Digitalisierungsstrategie für das Gesundheitswesen

Am 14. April stellte Thomas Möller aus dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) im Rahmen der Online-Veranstaltung ÖGD@TI die fortgeschriebene „Digitalisierungsstrategie für das Gesundheitswesen und die Pflege“ vor. Sein besonderer Fokus lag auf der Rolle des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD). 

tara winstead | pexels

Über 130 Teilnehmende nutzten die Gelegenheit, sich über die Digitalisierungsstrategie für das Gesundheitswesen aus erster Hand zu informieren. Thomas Möller aus dem BMG-Referat 521 Strategische Grundsatzfragen und gematik gab Einblick in Hintergründe und Details zur Weiterentwicklung der Digitalisierungsstrategie. Anschließend beantwortete er Fragen zu verschiedenen Aspekten der Strategie, etwa zu Kennzahlen, Zielvorgaben und möglichen Anpassungen und gesetzlichen Rahmenbedingungen. 

„Die Digitalisierung in der Gesundheits- und Pflegeversorgung ermöglicht ein gesünderes und längeres Leben für alle. Die medizinische Versorgung und Pflege werden besser und effizienter“, formuliert das BMG als übergeordnetes Ziel der Digitalisierungsstrategie im Gesundheitswesen. Es gehe einerseits um die Verbesserung der Versorgungsqualität, andererseits aber auch um die Steigerung von Wirtschaftlichkeit und Effizienz. 

Die Digitalisierungsstrategie identifiziert drei zentrale Handlungsfelder: Digital unterstützte Versorgungs- und Verwaltungsprozesse, Generierung und Nutzung von Gesundheits- und Pflegedaten sowie nutzenorientierte Technologien und Anwendungen. 

ePA als Dreh und Angelpunkt für die Patienten und Patientinnen

Die ePA soll als prominenter Kernbaustein der digitalen Transformation zum zentralen „digitalen Begleiter“ weiter ausgebaut werden, über den u.a. eine Ersteinschätzung, E-Überweisung oder auch die Terminvergabe digital abgewickelt werden können. Die ePA soll mit Nutzungs-Mehrwert im Versorgungsalltag der Patient:innen ankommen. Hierzu sei auch die Stärkung digitaler Kompetenzen rund um Datennutzung und KI ein wichtiger Faktor.

Aufbau einer vernetzten Gesundheitsdateninfrastruktur 

Die weiterentwickelte Strategie gilt der Generierung und Nutzung qualitativ hochwertiger Daten, hier seien die Umsetzung der EHDS-Verordnung zum Europäischen Gesundheitsdatenraum, die Erarbeitung einer Interoperabilitäts-Roadmap oder KI-gestützte Dokumentation in der Versorgung genannt. So sollen 2028 z. B. über 70% der Gesundheitseinrichtungen KI-gestützte Dokumentation nutzen. 

Nutzenstiftende Technologien und Anwendungen

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Digitalisierungsstrategie ist die TI-Betriebsstabilität. Hier gelte es, die Komplexität und Anzahl einzelner TI-Komponenten zu reduzieren, um einen technisch sicheren und stabileren Betrieb der TI zu unterstützen. Darüber hinaus sollen Cloud-Dienste flächendeckend nutzbar gemacht und verfügbare KI-Anwendungen einfacher einsetzbar werden.

ÖGD als Akteur der Digitalisierungsstrategie

Der ÖGD sei in der Digitalisierungsstrategie mitgedacht, so Möller, als einer der vielen Akteure im Gesundheitswesen, bei dem wertvolle Daten aus seinen vielfältigen Aufgabenbereichen, etwa dem Infektionsmeldewesen, den Schuleingangsuntersuchungen und der Gesundheitsberichterstattung (GBE) zusammenlaufen. Qualitätsgesicherte Gesundheitsdaten aus dem ÖGD bieten wichtige Information und ermöglichen fundierte Public-Health-Analysen. Interoperabilität und die Vereinheitlichung der Daten spielen hier eine zentrale Rolle, um die im ÖGD erhobenen Daten im Forschungskontext sowie zu Präventions- und Therapiezwecken besser verknüpfen und nutzen zu können. 

Die freiwillige Anbindung vieler Gesundheitsämter an die TI sei ein positives Signal in die „richtige Richtung“, so Möller. Bereits jetzt können die Ärzte und Ärztinnen im ÖGD auf die ePA zugreifen, ähnlich wie Kolleg:innen der ambulanten Ärzteschaft. Eine gesetzliche Verpflichtung der TI-Nutzung und der angeschlossenen Dienste sei für den ÖGD derzeit nicht geplant.

Gemeinschaftsprojekt Digitalisierungsstrategie

Die Kennzahlen und Ziele der Strategie seien in der Regel pragmatisch ausgewählt und auch gut realisierbar; beispielsweise sollen 2030 die ePA etwa 20 Millionen Menschen aktiv nutzen. Ein Ziel, das nicht zu hoch gegriffen sei, angesichts der Entwicklung der ePA, die gezeigt habe, dass die Umsetzung digitalisierter Dienste im Gesundheitswesen kein Selbstläufer ist. 

Möller betonte, dass die Digitalisierungsstrategie nicht vom BMG vorgegeben, sondern gemeinsam von über 1.000 Organisationen und Einzelpersonen vor drei Jahren entwickelt und jetzt fortgeschrieben worden sei, darunter Vertretungen von Patient:innen, pflegebedürftigen Menschen, der Ärzte- und Apothekerschaft, von Kranken- und Pflegeversicherungen und aus der Wissenschaft. In erster Linie solle sie als strategischer Rahmen zur Orientierung dienen und einen Impuls geben, der von allen Akteur:innen aufgegriffen werden und in den jeweiligen Bereichen umgesetzt werden dürfe.

Die ÖGD@TI-Reihe veranstalten die gematik und die Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen (AÖGW) gemeinsam. Die Veranstaltungsreihe richtet sich an alle Interessierten im Umfeld des ÖGD, die mehr über die TI und ihre vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten erfahren möchten oder gern aktiv Beiträge in die ÖGD-Community einbringen wollen.

Die nächste ÖGD@TI-Veranstaltung findet am 12. Mai 2026 von 13–14:30 Uhr statt. 

Auf der Agenda steht der Stand der TI-Anbindung des ÖGD in Sachsen. 

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