ÖGD Kommunal Connect in Darmstadt: Regional und nachhaltig vernetzt für die TI-Anbindung
Die Anbindung der Gesundheitsämter an die Telematikinfrastruktur (TI) stand im Mittelpunkt der letzten von insgesamt vier ÖGD Kommunal Connect-Veranstaltungen der Akademie. Nach Berlin, Düsseldorf und Hamburg trafen sich Vertreter:innen der Gesundheitsämter aus den Bundesländern Hessen und Rheinland-Pfalz mit TI-Expert:innen am 25. Juni in Darmstadt und nutzten die Gelegenheit, sich vor Ort auszutauschen, praktische Lösungen aus anderen Gesundheitsämtern kennenzulernen und konkrete Details zur TI-Anbindung zu diskutieren. In entspannter Atmosphäre wurden gemeinsam Lösungen für die Praxis entwickelt. Die Teilnehmenden nahmen viele wertvolle Impulse, Ideen und nicht zuletzt persönliche Kontakte für die TI-Projekte im eigenen Amt mit.

Regine Bresler, Präsidentin des Hessischen Landesamtes für Gesundheit und Pflege, begrüßte die Teilnehmenden: „Die Digitalisierung im ÖGD ist eine der zentralen Zukunftsaufgaben“, es gelte „Herausforderungen gemeinsam zu diskutieren und gute Lösungen zu finden“. Genau hierzu eigne sich die Veranstaltung als ein „Format, sich auf Arbeitsebene auszutauschen und voneinander lernen zu können.“
Prof´in Dr. Dagmar Starke, kommissarische Leiterin der Akademie, zeigte sich sehr überzeugt vom Projekt. „Ich bin erschrocken, dass die zwei Jahre schon um sind.“ Sie bedauerte, dass die Paktmittel ausliefen und die Länder die Projekt-Stellen nicht hätten entfristen können. Es gelte nun, einen „Weg zu finden, sich weiter gemeinsam zu connecten – und wenn es kein offizielles Format ist“. „Mit Auslaufen der Fördermittel wird es im ÖGD personell wie fachlich eng“, so Dagmar Starke. „Wir können nicht alles kompensieren.“ „Wenn ‚Digitalisierungsruinen‘ übrigbleiben, stehen wir schlechter da als 2019 .“
Impulsvorträge: Erfahrungsberichte zur TI-Anbindung
Wie auch in den anderen Kommunal-Connect-Veranstaltungen machten Impuls-Vorträge den Auftakt. Die eingebrachten Ideen und Themen wurden im anschließend stattfindenden Ko-Kreation-Workshop aufgegriffen und weiter vertieft.
Jasper Plath, Leiter der "Stabsstelle „Strategische Planung, Wissenschaft und Digitalisierung“ im Amt für Gesundheit und Gefahrenabwehr im Main-Kinzig-Kreis, hatte seinen Impulsvortrag zur TI-Anbindung im Gesundheitsamt Main-Kinzig-Kreis in eine Videobotschaft gegossen. Seine Vortrags-Charts stehen auf der AÖGW-Moodle-Plattform zur Verfügung. Simon Gölz, Digitalisierungsbeauftragter im Kreis Bergstraße, ergänzte den Vortrag von Jasper Plath und berichtete von seinen Erfahrungen zur TI-Anbindung.

Ko-Kreation-Workshop: Ideen und Erfolgsstorys
In anschließend parallel stattfindenden Kleingruppen analysierten die Teilnehmenden die einzelnen Arbeitsschritte vereinfachter typischer Anwendungsfälle im Gesundheitsamt unter folgenden Fragestellungen: Welche Akteur:innen und Institutionen sind im Prozess beteiligt, welche Informationen fließen wohin, wo können die TI und ihre Komponenten sinnvoll unterstützen, wie gelingt die Umsetzung mit der TI und welche Hindernisse oder Schwierigkeiten können identifiziert werden? Als Anwendungsbeispiele dienten eine meldepflichtige Tuberkulose-Infektion und eine Begutachtung im Rahmen der Verbeamtung.
In der Auseinandersetzung mit den Details zu Umsetzung der TI-Anbindung in den Gesundheitsämtern, den Schwierigkeiten, aber auch den Erfolgsstorys, wurde deutlich, wie sehr die Mitarbeitenden der Gesundheitsämter sich in den vergangenen Jahren mit der Materie auseinandergesetzt haben: Sie haben ihre Ämter auf dem Weg in die Digitale Transformation entscheidend weitergebracht. Gleichzeitig konnten sie mit ihrer Arbeit den Reifegrad ihrer Ämter gemäß dem Reifegradmodell für den ÖGD deutlich verbessern.
Dementsprechend ging es während der Workshops weniger um grundsätzliche Aspekte der TI-Anbindung, sondern überwiegend um detaillierte Optimierungen oder um den Austausch von Erfahrungen, welche Ansätze gut oder weniger gut in der Praxis funktionierten.
Nach einer Mittagspause wurden die Erkenntnisse des Ko-Kreation-Workshops zusammengetragen und vertiefend diskutiert. Schwerpunkte waren unter anderem die Kosten für KIM, Erfahrungen mit anbietenden IT-Dienstleistenden, die Schwierigkeit, überhaupt IT-Anbieter:innen speziell für den ÖGD zu finden, Verschlüsselung und Datenschutz, Verzeichnisdienste oder die Verwendung von KIM über Outlook.
Gematik: Erfahrungen weitergeben und zu ÖGD-Roadmap informieren
Wie in den vorangegangenen Kommunal-Connect-Veranstaltungen stand von der gematik Torsten Hoffman beratend zur Verfügung. Diesmal begleitet von seinem Kollegen Thomas Jenzen.
Die gematik hat in den vergangenen Jahren die TI-Anbindung von Zahnartpraxen und Krankenhäusern begleitet – ein Prozess, der allein aufgrund der großen Zahl der Krankenhäuser und ihrer vielen Abteilungen weit komplexer war, als die Anbindung der rund 380 Gesundheitsämter in Deutschland. Auch wenn viele Inhalte, Themen und Herausforderungen zur TI im ÖGD etwas anders gelagert sind, gibt es auch ähnliche Strukturen. Torsten Hoffmann und Thomas Jenzen gaben Auskunft aus ihrem Erfahrungsschatz und zeigten die kommenden, ÖGD relevanten Pläne und Entwicklungen der gematik auf.
Erfolgreiches Networking-Format weiterführen
Die Teilnehmenden genossen die angenehme Atmosphäre sowie die gute Organisation in Darmstadt. Die Anbindung der Gesundheitsämter schreitet voran, gleichzeitig endet das „sehr wertvolle“ Format der kommunal ausgerichteten Vernetzungs-Veranstaltung mit dem Projekt ÖGD Connect Ende August 2026. Angesichts vieler offener Fragen zur TI und der lösungsorientierten praxisnahen Ausrichtung des Events wünschten die Teilnehmenden ausdrücklich ein Fortführen des Formats in ähnlicher Form. Wie genau dies geschehen könnte, gelte es noch herauszuarbeiten.
Der Tag in Darmstadt war erfolgreich – geprägt von konstruktiver Zusammenarbeit und effektivem Netzwerken. Alle Teilnehmenden verließen am Nachmittag gut gelaunt die kühlen Räume der Darmstädter Behörde und nahmen viele wertvolle Anregungen mit.
Ein großes Dankeschön vom ÖGD Connect-Team an alle, die trotz widriger Witterungsbedingungen und hitzebedingten Ausfällen der Verkehrsinfrastruktur nach Darmstadt gekommen waren und zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben.
Das Projekt ÖGD Connect ist Teil des BMG-Förderschwerpunkts „Förderung von Maßnahmen zur Steigerung und Weiterentwicklung des digitalen Reifegrades des Öffentlichen Gesundheitsdienstes in Deutschland“ und wird finanziert von der Europäischen Union – NextGenerationEU.


