Karies auf dem Rückzug – aber nicht überall
Die Mundgesundheit hat sich in Deutschland deutlich verbessert: Bei Erwachsenen ist die Kariesrate seit 1997 um fast 50 Prozent gesunken. Auch Kinder profitieren von Prävention. Gleichzeitig bleibt Karies ungleich verteilt. Besonders Kinder aus sozial benachteiligten Familien sind einem höheren Risiko ausgesetzt.

Karies ist heute deutlich seltener als noch vor einigen Jahrzehnten. Das zeigt die sechste „Deutsche Mundgesundheitsstudie“ (DMS 6). Bei Erwachsenen ist die Kariesrate im Vergleich zu 1997 um fast 50 Prozent gesunken. Auch bei Kindern zeigen sich die Erfolge einer präventionsorientierten Zahnmedizin.
Mehr als die Hälfte der Acht- und Neunjährigen ist heute kariesfrei. Bei den 12-Jährigen sind es sogar 78 Prozent der im Rahmen der DMS 6 untersuchten Kinder. Eine erfreuliche Entwicklung – doch sie zeigt nur einen Teil des Bildes, denn Karies ist zunehmend ungleich verteilt. Rund 40 Prozent der Acht- und Neunjährigen und 20 Prozent der Zwölfjährigen tragen die gesamte Krankheitslast ihrer Altersgruppe. Im Durchschnitt haben diese Kinder 3,5 betroffene Zähne.
Eine wichtige Rolle spielen dabei die Lebensbedingungen der Kinder. Studien zeigen: Karies tritt häufiger bei Kindern aus sozial benachteiligten Familien auf. Unterschiede gibt es unter anderem bei Gesundheitskompetenz, Ernährung, Bildung und der Nutzung von Vorsorgeangeboten. Auch das soziale und familiäre Umfeld kann beeinflussen, wie gut Kinder bei der täglichen Mundhygiene unterstützt werden. Damit steigt für Kinder aus sozioökonomisch schwächeren Lebensverhältnissen das Risiko für frühkindliche Karies und unbehandelte Erkrankungen im Mund. Die Folgen können weit reichen – von Schmerzen und Einschränkungen im Alltag bis hin zu Schäden an den bleibenden Zähnen.
Prävention als Schlüssel für gesunde Zähne
„Prävention soll alle Kinder erreichen – unabhängig von Herkunft, Bildungsstand oder familiärer Situation“, heißt es in einer Pressemitteilung zur DMS 6 der Initiative pro Dente. Eine wichtige Rolle können dabei die Zahnärztlichen Dienste im Öffentlichen Gesundheitsdienst übernehmen. Mit ihrer Arbeit erreichen sie Kinder direkt in Kindertagesstätten und Schulen – also auch Kinder, bei denen die Unterstützung durch das familiäre Umfeld möglicherweise nicht ausreicht. Im Rahmen der Gruppenprophylaxe können sie Wissen vermitteln, zur richtigen Mundhygiene anleiten und gemeinsam mit den Einrichtungen frühzeitig auf einen erhöhten Unterstützungsbedarf aufmerksam werden.
„Eine spannende Möglichkeit ist zum Beispiel der Einsatz von Handpuppen“, sagt Anastatia Wachtel, Fachzahnärztin für Öffentliches Gesundheitswesen und Referentin für Zahnmedizin und Kinder- und Jugendgesundheit bei der Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen. Sie bietet regelmäßig Präsenzfortbildungen zum Thema an. Die nächsten Termine für die Fortbildung „Puppenspiel in der Zahnmedizinischen Gruppenprophylaxe“ finden am 2. November in Magdeburg und am 3. November in Berlin statt.
Auch am 25. September steht die Prävention im Mittelpunkt: Am Tag der Zahngesundheit informieren Gesundheitsämter, Krankenkassen und Zahnärzt:innen bundesweit über die Wichtigkeit von Vorsorge und zahngesunder Ernährung. Das diesjährige Motto „Gesund beginnt im Mund – Kau dich fit!“
Die Deutschen Mundgesundheitsstudien werden seit 1989 regelmäßig durchgeführt und liefern verlässliche Daten darüber, wie häufig orale Erkrankungen auftreten, wie Menschen ihre Zähne pflegen und wie die zahnmedizinische Versorgung in Deutschland aussieht. Die Studie ist bundesweit repräsentativ.

