Weiterbildungskurs der AÖGW zu Gast im RKI

Im Rahmen des 4. Moduls (Gesundheitsschutz) besuchte der 22. Weiterbildungskurs (WBK) der Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen (AÖGW) in der vergangenen Woche das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin. Dort gewannen die Teilnehmenden Einblicke in die Arbeit mit hochpathogenen Infektionserregern – und konnten ein Labor der höchsten Schutzstufe S4 besuchen.

Foto der Teilnehmenden des 22. Weiterbildungskurses der AÖGW
Sybille Somogyi | AÖGW

Am frühen Morgen wurden die Teilnehmer:innen des Weiterbildungskurses „Facharzt/-ärztin für Öffentliches Gesundheitswesen“ der AÖGW an der Pforte des RKI-Standortes Seestraße von Dr. Andreas Kurth, Leiter des Hochsicherheitslabors am Robert Koch-Institut in Berlin-Wedding, empfangen. In Kleingruppen gelangten die Teilnehmenden vom Hauptgebäude über den begrünten Innenhof zum zentralen Kubus des RKI-Laborneubaus.

Nach einer kurzen Einweisung zu den Dos and Don'ts bei der Besichtigung des S4-Labors erläuterte Kurth den Aufbau des Gebäudes. Im Labor können Krankheitserreger wie Ebola-, Marburg-, Lassa- oder Nipahviren sicher untersucht werden. Das RKI ist das einzige Bundesinstitut im human-medizinischen Bereich mit einem S4-Labor. Es besitzt eine eigene Luft-, Strom- und Wasserversorgung, um das speziell geschulte Personal vor hochpathogenen Erregern (HCID-Erreger, „High Consequence Infectious Diseases“) zu schützen und zu verhindern, dass diese Erreger in die Umwelt gelangen. Im Verlauf des Rundgangs erhielten die Teilnehmenden zunächst einen Überblick über die aktuellen Forschungsarbeiten mit hochpathogenen Erregern, bevor sie die Mitarbeiter:innen des RKI im laufenden Betrieb bei ihrer Arbeit im S4-Labor beobachten konnten.

Die WBK-Teilnehmenden hatten viele Fragen: Welche konkreten Arbeiten werden in einem S4-Labor durchgeführt? Welche Erreger gehören zu den Hochpathogenen? Wie funktioniert der komplexe Sicherheitsanzug, der im S4-Labor getragen wird, und gab es schon Zwischenfälle in diesem Labor?

Im Anschluss an die spannenden Einblicke in den S4-Alltag spazierte die Gruppe bei sonnigem Wetter über den Campus des Virchow-Klinikums zum Hauptgebäude des RKI am Standort Nordufer. Im historischen Hörsaal hielt Dr. Agata Mikolajewska als Vertreterin des Ständigen Arbeitskreises der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger (STAKOB) am RKI einen Vortrag zur Erkennung, Bewertung und Versorgung von Krankheiten mit hochpathogenen Erregern. Mikolajewska gab den WBK-Teilnehmenden einen Überblick zum Management von möglichen Infektionen mit hochpathogenen Erregern im Gesundheitsamt und betonte: „Die Kompetenzzentren im STAKOB stehen Ihnen als Ärzt:innen im ÖGD im Krisenfall 24/7 mit unserer Fachexpertise zur Verfügung.“

Wie die Gesundheitsämter im Krisengeschehen konkret unterstützt werden können, erläuterte Ulrike Grote vom Fachgebiet für Krisenmanagement am RKI. Anhand des Krisenmanagementzyklus konnten die Teilnehmer:innen die unterschiedlichen Phasen und Maßnahmen für epidemisch bedeutsame Lagen nachvollziehen.

Nach der Mittagspause stellte Dr. Sybille Somogyi, Referentin für Infektionsschutz und Hygiene der AÖGW, verschiedene Fallbeispiele zu Infektionsereignissen vor, die die Teilnehmenden in ihrer Rolle als Fachärztinnen und Fachärzte im Gesundheitsamt in Gruppen bearbeiteten. Die anschließende Vorstellung der Ergebnisse führte zu spannenden Diskussionen und angeregtem Austausch zu den unterschiedlichen Erfahrungen der Teilnehmer:innen bei Ermittlungen zu Infektionskrankheiten.

Die Exkursion zum RKI war für die Teilnehmenden des 22. WBK ein intensiver Tag, der mit einem aufregenden Blick ins S4-Labor begann und viele Facetten des Infektionsschutzes beleuchtete, vertiefte und erfahrbar machte. „Dass der komplette Tag im Ambiente des Robert Koch-Instituts, einem der ältesten biomedizinischen Institute weltweit, stattfinden konnte, machte diese Exkursion zu einem Erlebnis der ganz besonderen Art“, resümierte Modulleiterin Somogyi, die die Exkursion gemeinsam mit Jakob Schumacher von der ÖGD-Kontaktstelle des RKI organisiert hatte.