Öffentliche Gesundheit durch Vielfalt: Lunch Session gibt Impulse zu Diversity und Diskriminierung
Mehr als 50 Teilnehmende nahmen online an der 90-minütigen Lunch Session „Öffentliche Gesundheit durch Vielfalt – Diversity und Diskriminierung im Arbeitsalltag“ teil. Moderiert von Prof‘in Dagmar Starke, gab das Format einen Vorgeschmack auf zentrale Themen der zweitägigen Präsenzveranstaltung im Juni in Berlin.

Zwei Referentinnen beleuchteten das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven: Ewa Niedbala, ausgebildete Diversity-Trainerin mit über zwölf Jahren Erfahrung in der Begleitung von Institutionen rund um die Themen Diskriminierungen und Diversity, sowie Sandra Hensen, die seit 14 Jahren im Öffentlichen Gesundheitsdienst tätig ist und aktuell im Gesundheitsamt Frankfurt arbeitet.
Anhand verschiedener Studien machte Sandra Hensen deutlich, dass Diskriminierung kein Randphänomen ist. Sehr viele Menschen in Deutschland seien betroffen – auch im Gesundheitswesen, wo die Auswirkungen besonders gravierend sein können.
Diskriminierung zeige sich dabei auf verschiedenen Ebenen: Auf individueller Ebene etwa, wenn gesundheitliche Beschwerden vorschnell kulturell eingeordnet oder Sprachbarrieren als mangelnde Mitwirkung interpretiert werden. Auf struktureller Ebene, wenn Migration mit einer Überlastung des Gesundheitssystems verknüpft wird oder ökonomische Überlegungen Einfluss auf Versorgungsentscheidungen nehmen. Und auf institutioneller Ebene, beispielsweise wenn gesetzliche Regelungen den Zugang zu Gesundheitsleistungen einschränken, oder wenn Dolmetscher:innen fehlen, wodurch Verantwortung auf Angehörige – oft Kinder – übertragen wird.
Dazu kommt die Herausforderung, dass sich der ÖGD in einem Spannungsfeld zwischen hoheitlichen Aufgaben und dem Anspruch bewegt, bestmögliche Gesundheitsversorgung für alle Menschen zu gewährleisten. Gerade in kleineren Ämtern fallen diese Rollen oft zusammen. In solchen Konstellationen können widersprüchliche Anforderungen entstehen, die diskriminierende Entscheidungen begünstigen.
All das hat unmittelbare Relevanz für die öffentliche Gesundheit: Denn Diskriminierung steht in direktem Zusammenhang mit einer erhöhten Krankheitslast und kann zu einem Vertrauensverlust in das Gesundheitssystem und staatliche Institutionen insgesamt führen. Die Reduktion von Diskriminierung wird damit zu einem zentralen Hebel für mehr Gesundheitsgerechtigkeit – und zu einer klaren Aufgabe des Öffentlichen Gesundheitsdienstes.
Hier setzt die Arbeit von Ewa Niedbala an. Sie stellte vor, wie Fortbildungen – wie die im Juni geplante Veranstaltung in Berlin – dazu beitragen können, Diversity-Kompetenz zu stärken, um professionell mit Vielfalt im Arbeitsalltag umgehen zu können. Die Inhalte reichen von Grundlagen zu Diversity und Diskriminierungsformen über die Entstehung von Vorurteilen bis hin zur Auseinandersetzung mit Rassismus im Gesundheitswesen und der Arbeit an praxisnahen Fallbeispielen. Ziel ist es, eine professionelle Haltung im Umgang mit gesellschaftlicher Vielfalt zu entwickeln und Diskriminierungsmechanismen – insbesondere im Hinblick auf Rassismus – zu erkennen und ihnen im Arbeitsalltag wirksam zu begegnen.
Das Fazit der Lunch Session: Reflexion, Austausch und Qualifizierung sind zentrale Bausteine, um Diskriminierung zu reduzieren und langfristig zu mehr Gesundheitsgerechtigkeit beizutragen. Denn belegt ist: Je mehr Diversity-Kompetenz vorhanden ist, desto weniger Diskriminierung gibt es.
Die zweitägige Präsenzveranstaltung findet am 22. und 23. Juni in der Komturstraße 18a in Berlin Tempelhof statt. Die Anmeldung ist über die Website der AÖGW möglich.