75. Wissenschaftlicher Kongress: Krisenresilienz braucht einen gut aufgestellten ÖGD
Einen starken Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) forderten nicht nur der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD), die Deutsche Gesellschaft für Öffentliche Gesundheit (DGÖG) und die Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventivmedizin (GHUP) bei der Eröffnung des 75. Wissenschaftlichen ÖGD-Kongresses in Wuppertal vom 20. bis 23. April. Auch der Präsident der Bundesärztekammer Dr. (I) Klaus Reinhardt betonte in seinem Eröffnungsvortrag die unverzichtbare zentrale Rolle des ÖGD im Deutschen Medizinwesen.

Das „Provisorium“ zur Übermittlung der Infektionsmeldungen während der Coronapandemie sei ein „vorsintflutlicher“ Zustand gewesen und Ausdruck der Tatsache, dass man sich lange nicht um den ÖGD gekümmert habe, so Reinhardt. Leider werde der ÖGD „etwas stiefmütterlich und nicht immer wertschätzend behandelt“.
In den letzten Jahren allerdings habe der Pakt für den ÖGD zukunftsfähige Strukturen finanziert und getragen, allein 3,1 Milliarden Euro für den Personalaufbau seien ein guter Anschub gewesen, so Reinhardt. Der ÖGD-Pakt endet mit Ablauf des Jahres. Dennoch zeigte sich Reinhardt positiv, dass auch künftig der ÖGD entsprechend seiner Schlüsselstellung im deutschen Gesundheitswesen finanzielle Berücksichtigung findet.
ÖGD wichtiger Akteur im Gesundheitswesen
Als dritte Säule der Gesundheitsversorgung in Deutschland habe der ÖGD eine „ganz starke Berechtigung“ neben der ambulanten und der stationären medizinischen Versorgung. Er weise zudem exzellente Strukturen auf, erläuterte Reinhardt. Wichtige Aufgaben des ÖGD liegen etwa im Bereich Klimawandel und Klimaschutz, Prävention und Gesundheitskompetenz. Reinhardt sieht den ÖGD als zentralen Kommunikator, um etwa die gesundheitliche Gefahr durch klimawandelbedingte Hitze zu vermitteln und für mehr Sensibilität sowohl in der Bevölkerung als auch in Gemeinschaftsunterkünften und Krankenhäusern zu sorgen.
Insbesondere in den Bereichen Gesundheitskompetenz und Prävention sei der ÖGD gut aufgestellt und könne im Zusammenwirken mit anderen Akteur:innen des Bildungs- und Gesundheitswesens viel bewirken und wirksame Maßnahmen zu Prävention kommunizieren. Zudem könne der ÖGD beratend auf die Politik einwirken und damit einen großartigen Beitrag leisten, so Reinhardt.
Sein Fazit: „Der ÖGD ist unverzichtbar, weil er als zentrale Schnittstelle zwischen Gesundheitsbehörden, Ärzten und der Bevölkerung die Gesundheitsüberwachung, Prävention und Krisenkoordination auf kommunaler Ebene sicherstellt.“
Dr. Peter Schäfer, Vorsitzender des BVÖGD 2025/2026, betonte, die Gesundheitsämter seien in viele Aufgaben eingebunden, die die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung sichern. „Wir brauchen auch die Menschen, die das tun.“ „Wir haben viele befristete Stellen. Wir verlieren die Menschen“. „Es ist 2 vor 12! Bitte vergesst unser Personal vor Ort nicht!“, appellierte Schäfer mit Blick auf den Ende 2026 auslaufenden Pakt ÖGD. Er forderte klare Antworten darauf, wie die langfristige Finanzierung und personelle Ausstattung des ÖGD gesichert werden soll.